In der zweiten Hälfe des 19. Jahrhunderts verbreiteten sich in Deutschland die genossenschaftlichen Ideen von Friedrich Wilhelm Raiffeisen und Hermann Schulze Delitzsch. So wurden schon sehr bald sogenannte Konsumgenossenschaften gegründet, auch im Oldenburger Münsterland.

Sicherlich zur Freude des damaligen Emsteker Pfarrers Prälat Anton Wempe, ein großer Freund des genossenschaftlichen Gedankens, wurde am 6. April 1934 die Eierverkaufsgenossenschaft Emstek-Cappeln im Emsteker Saal Südbeck gegründet. Pfarrer Wempe selbst hatte schon mehrere Genossenschaften in Emstek mitgegründet, war aber 1934 bereits 88 Jahre alt und gesundheitlich stark angeschlagen, so dass er an dieser Gründung nicht mehr direkt mitwirken konnte.

Der Anlass für die Gründung dieser neuen Genossenschaft war ganz praktischer Natur. Mit dem Aufkommen des Kunstdüngers und der zunehmenden Mechanisierung in der Landwirtschaft produzierten die Bauern inzwischen weit mehr Lebensmittel, als man in der engeren Heimat benötigte. Rückschläge in dieser Entwicklung gab es durch den ersten Weltkrieg und der Weltwirtschaftskrise in den zwanziger Jahren. Aber im Jahre 1934 waren es in der Gemeinde Emstek mehr als 35.000 Hühner, die von den Bauern gehalten wurden. Und es wurde zusehends schwieriger, die Menge an Eiern als einzelner Bauer erfolgreich zu vermarkten. Daher war es nur konsequent, über gemeinsame Vermarktungswege nachzudenken.

Die Gründung einer Genossenschaft war allerdings 1934 nicht mehr ganz so problemlos wie noch wenige Jahre zuvor, denn die Nationalsozialisten hatten nach ihrer Machtergreifung 1933 die Selbstverwaltung der Genossenschaften stark eingeschränkt und diese an den zentral organisierten Reichsnährstand angegliedert.

Dennoch kam es 1934 zur Gründung der Eierverkaufsgenossenschaft, der bis Mai des Jahres insgesamt 58 Mitglieder beigetreten waren, die alle aus Emstek und den direkt angrenzenden Bauernschaften stammten. Der Versuch, auch Bauern aus der Gemeinde Cappeln für die neue Genossenschaft zu gewinnen, scheiterte allerdings, sodass man kurz nach der Gründung den Namen der Genossenschaft auf Eierverkaufsgenossenschaft e.G.m.b.H. Emstek i.O." korrigierte.

Noch im Gründungsjahr wurden über die neue Genossenschaft rund 1,4 Millionen Eier mit einem Umsatz von etwa 390.000 Reichsmark vermarktet.

Im Oktober 1936 brannte an der heutigen Margarethenstraße das damals älteste bestehende Gebäude in Emstek ab. Es war das Haus des Sattlermeisters Georg Menke, das sechs Jahre nach dem großen Brand von 1595 errichtet worden war. Dieses von der Witwe Wessels bewohnte Haus brannte völlig nieder, sodass in zentraler Emsteker Lage ein attraktives und ausreichend großes Baugrundstück frei wurde. 1937 beschloss die Mitgliederversammlung der Eierverkaufsgenossenschaft den Erwerb dieses Grundstücks zur Errichtung eines eigenen Betriebsgebäudes. Dieses wurde bereits ein Jahr später fertig gestellt und bezogen.

1937 wurde ebenfalls beschlossen, ab sofort auch Eier und Geflügel von Nichtmitgliedern zu vermarkten. Während des zweiten Weltkriegs wurde dann die geschäftliche Tätigkeit auf den Handel mit Obst, Gemüse und Schädlingsbekämpfungsmitteln ausgeweitet.

Nach dem Ende des Krieges erfuhr die Genossenschaft eine kräftige Aufwärtsentwicklung. 1950 wurde ein eigener Lastwagen angeschafft und 1951 vermarkteten die Emsteker rund 4,2 Millionen Eier in einem Gesamtwert von 806.000 DM. Gleichzeitig wurde der Beschluss gefasst, auch den Handel mit Futter und Getreide aufzunehmen. Eine sehr weitsichtige Entscheidung, sollte doch in späteren Jahren dieser Geschäftszweig den Schwerpunkt der geschäftlichen Tätigkeit bilden.

1954 richtete die Eierverkaufsgenossenschaft Emstek in Olsberg im Sauerland eine eigene Verkaufsstelle ein. Eine weitere Verkaufsstelle folgte 1962 in Alsfeld in Hessen.

Der Vertrieb von Getreide und Futtermitteln nahm in den fünfziger Jahren an Bedeutung stetig zu, sodass es erforderlich war, 1961 eine Getreidetrocknungsanlage zu bauen. Gleichzeitig verlor der Eierhandel immer mehr an Bedeutung. Die schlechten Preise veranlassten in den sechziger Jahren viele Bauern, die Hühnerhaltung aufzugeben. So musste die Verkaufsstelle in Alsfeld Anfang der siebziger Jahre wieder geschlossen werden, bald darauf auch jene im sauerländischen Olsberg.

Inzwischen entsprach das Betriebs- und Geschäftshaus an der Margarethenstraße nicht mehr den gestiegenen Anforderungen. Da eine Ausweitung an dieser Stelle nicht möglich war, wurde 1971 zunächst die Mühle und das Landhandelsgeschäft Große Wietfeld an der Bahnhofsstraße gepachtet und später gekauft. Die Eiergenossenschaft hatte damals 88 Mitglieder und machte 1971 einen Umsatz von 5,6 Millionen DM.

Der Verlagerung der Geschäftstätigkeit vom Eierhandel auf den Handel mit Getreide und Futter wurde 1974 mit einer Änderung des Firmennamens Rechnung getragen. Die Mitgliederversammlung beschloss 1974 die Änderung auf Ein- und Verkaufsgenossenschaft e.G. Emstek i.O.". Der Eintrag in das Genossenschaftsregister erfolgte am 30. Januar 1975. Gleichzeitig wurde der Sitz der Genossenschaft von der Margarethenstraße an die Bahnhofsstraße verlegt. Spätestens seit dieser Zeit steht das Kürzel EVG" für diese Emsteker Genossenschaft.

Die weiter sehr positive Entwicklung erforderte 1975 verschiedene Investitionen. Es wurden Düngemittel in den Vertrieb mit aufgenommen, Gabelstapler angeschafft, ein Kalksilo errichtet und eine 30-Tonnen-Fuhrwerkswaage an der Bahnhofstraße installiert. 1980 konnte dann die von der Dämpfgenossenschaft Höltinghausen betriebene Getreidetrocknungsanlage in den Geschäftsbetrieb eingegliedert werden.

1984 wurde dann das 50-jährige Bestehen der Ein- und Verkaufsgenossenschaft Emstek in einem würdigen Rahmen gefeiert. In jenem Jahr hatte die EVG 163 Mitglieder, einen jährlichen Umsatz von rund 18 Millionen DM und 15 Mitarbeiter. Zum Fuhrpark gehörten inzwischen 6 Lastkraftwagen.

Während die EVG an der Bahnhofstraße die Kapazitäten weiter ausbaute, verlor das Betriebsgebäude an der Margarethenstraße weiter an Bedeutung. Die Getreidetrocknung wurde an diesem Standort noch in den achtziger Jahren völlig eingestellt. Da eine andere Verwendung nicht mehr in Aussicht war, entschloss sich die Genossenschaft 1994, das Gebäude an die Gemeinde Emstek zu veräußern. Diese sanierte das inzwischen unter Denkmalschutz stehende Objekt von Grund auf und machte es zu einem Vereinshaus. 1997 zogen dort das Deutsche Rote Kreuz, die DLRG, die Sozialstation Emstek-Cappeln und der Heimatverein Emstek ein.

Aber auch das enge Gelände an der Bahnhofstraße war auf Dauer keine optimale Lösung. Durch die Aufgabe des Standortes Halen der Firma Air System Barlage bot sich im Jahr 2001 die Möglichkeit, das großzügige Firmengelände und die dort vorhandenen Gebäude zu erwerben. Gleichzeitig gab es auch einen Interessenten für das Gelände an der Bahnhofstraße, sodass zum Jahreswechsel 2001/2002 der Verkauf des bisherigen und der Kauf des neuen Standorts in Halen möglich wurden. In den ersten Monaten des neuen Jahres erfolgte der sukzessive Umzug, der mit einem großen Tag der offenen Tür am 15. Juni 2002 vollendet wurde. Mit dem Wechsel nach Halen wurde ein großes Tor für eine weitere positive Entwicklung der Genossenschaft aufgeschlagen, da der Standort Halen ausreichend Platz für Kapazitätsausweitungen bietet.

Neu in dieser Größenordnung war der nun im Jahre 2002 eingerichtete Raiffeisenmarkt, der seitdem auf über 400 qm Verkaufsfläche Waren rund um die Themen Landwirtschaft, Tierhaltung und Garten anbietet. Seit dem 01. Januar 2007 wird auf dem Gelände auch eine Dieselkraftstofftankstelle betrieben.

Vorsichtiges und zeitgerechtes Schalten und Walten und eine kontinuierlich positive Entwicklung hat die EVG über Jahre gekennzeichnet. Diese Kontinuität spiegelt sich auch im Vorstandsvorsitz wider. 37 Jahre lang, von 1934 bis 1971 war Bernard Büssing Vorstandsvorsitzender der EVG. Ihm folgte bis zum Jahr 2000 Josef Südbeck. Danach wählte die Mitgliederversammlung Josef Lamping zum neuen Vorstandsvorsitzenden, der auch heute noch in dieser Funktion tätig ist.

Als Geschäftsführer war in den ersten drei Monaten nach der Gründung Heinrich Vorwerk aus Westeremstek tätig. Die folgenden 29 Jahre nahm Heinrich Südbeck dieses Amt wahr, bevor 1963 Josef Dehnecke die Geschäftsführung übernahm. Nach 38 Jahren erfolgreicher Arbeit für die EVG trat Josef Dehnecke im Jahre 2001 in den Ruhestand und übergab die Bücher der Genossenschaft an Franz Hinners, der bis 2009 tätig war.

Die 1934 gegründete Genossenschaft feierte am 16. Mai 2009 auf dem Gelände der EVG an der Soestenstraße 3 in Halen das 75-jährige Firmenjubiläum mit einem "Tag der offenen Tür". Ein Jahr später kam es zu einer neuen Firmenstruktur. Die EVG verpachtete ihr Grundstück und ihre Gebäude mit Anlagen an der Soestenstraße 3 in Halen mit dem operativen Geschäft an die neu gegründete Raiffeisen Emstek GmbH. Die EVG wurde Mitgesellschafter der GmbH. Die 15 Arbeitsplätze wurden komplett übernommen. Der Umsatz stieg in den letzten Jahren mit 65.000 Tonnen verkauftem Mischfutter, mit Betriebsmitteln wie Dünger, Pflanzenschutzmitteln, Saatgut, Saatgetreide und Haus- und Gartenartikeln auf circa 27 Mio. Euro. Auch die angenommenen Getreide- und Maismengen mit 22.000 Tonnen waren am Erfolg des neuen Unternehmens beteiligt. Um die angelieferten Erntemengen ohne Wartezeiten anzunehmen und eine ordentliche Lagerung zu ermöglichen, wurde rechtzeitig zur Ernte 2013 eine Mehrzweckhalle gebaut.